Oberleitungen über der Landschaft

Stromnetz


Wie kommt der Strom zu mir?

In diesem Artikel gibt es Basiswissen für Stromverbraucher über den Betrieb der Stromnetze in Deutschland. Und wie immer gilt: es ist kompliziert! Wir haben versucht es so knapp und übersichtlich wie möglich zusammenzufassen.

Wer ist in Deutschland für den Netzbetrieb verantwortlich?

Der Netzbetrieb verantwortet den Stromtransport und ist das erforderliche Bindeglied zwischen Stromerzeugern und Stromverbrauchern. In Deutschland existieren vier Netzebenen:

  1. Höchstspannungsnetz (220/380 kV): Überregionale Übertragung, Anbindung von Großkraftwerken.
  2. Hochspannungsnetz (110 kV): Regionale Verteilung, Anbindung von Großindustrie und großen Windparks.
  3. Mittelspannungsnetz (6–30 kV): Lokale Verteilung, Anbindung von Stadtwerken, Krankenhäusern und großen Solaranlagen.
  4. Niederspannungsnetz (230/400 V): Das “Ortsnetz”, das den Strom direkt in die Steckdosen der Haushalte bringt.

Diese Netze werden von zahlreichen Dienstleistungsunternehmen betrieben, die sich grob in zwei Kategorien einteilen lassen: Zum einen gibt es die sogenannten Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), diese bewirtschaften die überregionalen Netze und zum anderen die Verteilnetzbetreiber (VNB), die auf regionaler und lokaler Ebene den Strom zu den Endverbrauchern leiten.

Was die Netzebenen betrifft, so haben diese folgende Funktionen:

  1. Die “Strom-Autobahnen”. Sie transportieren große Mengen Strom über weite Strecken (z.B. Windstrom aus dem Norden in den Süden) und verbinden Deutschland mit dem europäischen Verbundnetz.
  • Spannung: 220 Kilovolt (kV) oder 380 kV.
  • Betreiber: Vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) sind für je eine Regelzone verantwortlich:
  • Amprion GmbH (Westen/Südwesten)
  • TransnetBW GmbH (Baden-Württemberg)
  • TenneT TSO GmbH (Norden bis Bayern)
  • 50Hertz Transmission GmbH (Osten)
  1. Die “Landes- und Kreisstraßen”. Sie beziehen den Strom aus dem Übertragungsnetz und verteilen ihn flächendeckend an Endverbraucher, Stadtwerke und kleinere Kraftwerke.
  • Spannung: 110 kV (Hochspannung), 10–30 kV (Mittelspannung), 230/400 V (Niederspannung)
  • Betreiber: Über 800 regionale und kommunale Verteilnetzbetreiber.

Welche Aufgaben haben die Netzbetreiber?

Verantwortlich für den Betrieb, die Wartung und den Ausbau der Stromleitungen (Infrastruktur) in einer festen Region ist der jeweilige Netzbetreiber. Er besitzt somit ein Monopol. Deshalb kontrolliert und reguliert die Bundesnetzagentur (BNetzA) als staatliche Behörde den bundesdeutschen Netzbetrieb. Derzeit (Stand 2025) gibt es in Deutschland rund 850 Netzbetreiber. VNB können und dürfen nach dem „Unbundling- Prinzip“ zwischen Stromnetz und Stromerzeugung nicht gleichzeitig Netzbetreiber und Stromversorger/Grundversorger sein. Letztere sind Stromversorgungsunternehmen, die in einem bestimmten Einzugsgebiet die meisten Stromkunden haben - oft handelt es sich dabei um die lokalen Stadtwerke. Grundversorger übernehmen bei allen Stromanschlüssen im Einzugsgebiet automatisch die Stromversorgung, sofern sich der Stromkunde nicht für einen anderen Anbieter entscheidet, um von diesem seinen Strom zu beziehen. Das „Unbundling-Prinzip“ lässt nur eine Ausnahme zu: Werden in einem lokalen Stromnetz weniger als 100.000 Kunden mit Strom versorgt, kann ein lokaler Stromerzeuger (z.B. ein Stadtwerk) auch gleichzeitig das Netz betreiben.

Was ist in diesem Zusammenhang wichtig für den Endkunden?

Da es nur einen Eigentümer für dieses Stromnetz gibt, hat man als Endkunde auch keine Auswahlmöglichkeit. Der Netzbetreiber ist gleichzeitig meistens auch der Messstellenbetreiber. Dieser ist zuständig für den Stromzähler.

Dagegen ist der Stromversorger (Lieferant) vom Endverbraucher frei wählbar. Er ist entweder selbst der Stromerzeuger/Kraftwerksbetreiber/Windkraftanlagenbetreiber oder eine Gesellschaft, die den Strom von einem anderen Stromerzeuger direkt bezieht, ist also ein zwischengeschalteter Lieferant.

Wer unterhält das Stromnetz und welche Kosten muss der Endverbraucher tragen?

Die Kosten für Wartung, Reparatur und Ausbau (Netzbetrieb) werden über die Netzentgelte finanziert. Sie sind ein fester Bestandteil des Strompreises und machen einen signifikanten Teil aus, der über den Stromversorger abgerechnet wird. Die Netzbetreiber müssen das Netz im Rahmen der Versorgungspflicht sicher und zuverlässig betreiben, wozu auch die Wartung gehört. Darüber hinaus müssen die Netzbetreiber die Netzfrequenz von 50 Hertz stabil halten, um Endgeräte vor Schäden zu schützen! 50 Hertz bedeutet, dass der Wechselstrom pro Sekunde 50 Mal seine Richtung ändert. Im Falle eines Überangebotes an Strom steigt die Frequenz leicht an, bei einem Unterangebot sinkt sie. Damit die Frequenz konstant bleibt, müssen in solchen Fällen die Netzbetreiber entweder den überschüssigen Strom anderweitig speichern oder ein Kraftwerk vom Netz nehmen. Fehlt Strom, müssen Reservekraftwerke hochgefahren oder es muss auf vorhandene Stromspeicherquellen zurückgegriffen werden.

Weshalb ist eine lokale Stromerzeugung durch Windkraft besonders wichtig?

Da die Energiewende hauptsächlich durch eine lokale Stromerzeugung getragen wird, ist es aus Kostengründen wichtig, wenn dieser Strom gleichzeitig auch lokal verbraucht wird und nicht erst über lange Strecken zu anderen Endverbrauchern transportiert werden muss. Dies hat auch Einfluss auf den Strompreis, denn dadurch entstehen auch weniger Transportverluste!

Welche Kosten tragen die Stromkunden für den Ausbau und Unterhalt der Stromnetze?

Diese Kosten sehen wir leider nicht direkt auf unseren Stromrechnungen. Sie werden den Versorgern direkt von den Netzbetreibern in Rechnung gestellt. Sie fallen auch in den einzelnen Netzen unterschiedlich hoch aus. Wenn, wie das in ländlichen Gebieten üblich ist, pro Einwohner längere Stromnetze unterhalten werden müssen, fallen diese Kosten höher aus als in einem konzentrierten Stadtnetz. Gemessen am Gesamtstrompreis belaufen sich die Netzkosten auf etwa 20 bis 40 Prozent des gesamten Strompreises. Im Bundesdurchschnitt lagen die Netzentgelte in 2025 bei 10,72 Cent/kWh. In Regionen, wo viel in Netzerweiterungen investiert werden muss, u.a. auch weil neue Windkraftanlagen angeschlossen werden müssen, waren die Netzentgelte bisher entsprechend höher. Um diese regionalen Unterschiede abzumildern, hat die Bundesnetzagentur 2024 eine Festlegung zur Verteilung der EE-bedingten Mehrkosten getroffen. Seit 2025 werden die zusätzlichen Netzkosten, die durch den starken Ausbau von Wind- und Solaranlagen in bestimmten Regionen entstehen, bundesweit auf alle Stromverbraucher umgelegt. Für die Verbraucher erscheint dieser Anteil als Teil des sogenannten ‘Aufschlags für besondere Netznutzung’ auf der Stromrechnung — 2026 beträgt dieser Aufschlag insgesamt 1,56 ct/kWh, wovon etwa 70 Prozent auf die EE-Netzkostenverteilung entfallen. Zusätzlich zu den Netzentgelten können über den Strompreis auch Umlagen erhoben werden, die mit dem Netzbetrieb zusammenhängen, wie die KWKG-Umlage oder die Offshore- Netzumlage. Mit der KWKG-Umlage (Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz-Umlage) werden hocheffiziente KWK-Anlagen finanziert. Diese Anlagen erzeugen gleichzeitig Strom und Wärme, was Energie spart und Emissionen senkt. Mit diesem Zuschlag zahlt der Netzbetreiber für den so erzeugten Strom einen Aufschlag an den Anlagenbetreiber. Derzeit beträgt der Zuschlag 0,446 Cent/kWh.

Wie bestimmt die Bundesnetzagentur die Höhe der Netzentgelte?

Die Bundesnetzagentur bestimmt die Netzentgelte durch ein Anreizregulierungsverfahren, basierend auf festgelegten Erlösobergrenzen für die einzelnen Netzbetreiber. In diesem Zusammenhang prüft die Bundesnetzagentur die Kosten der jeweiligen Netzbetreiber, führt Effizienzvergleiche durch und setzt Obergrenzen fest, um Monopolpreise zu verhindern. Dabei werden Betriebskosten, Investitionen, Netzkosten und eine Eigenkapitalverzinsung berücksichtigt. So stellt die Bundesnetzagentur sicher, dass die Netzentgelte angemessen, diskriminierungsfrei und transparent sind.

Wie erfolgt der Netzausbau infolge der Energiewende?

Dank der Zunahme von erneuerbaren Energien (Photovoltaik, Wind) müssen die Verteilnetze entsprechend ausgebaut werden. Diese Kosten führen zu höheren Netzentgelten, die am Ende alle Endverbraucher tragen müssen. Andererseits entsteht durch den stark zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen und E-Autos auch ein zusätzlicher Strombedarf. Dieser sollte möglichst nicht über neue Gaskraftwerke oder Atomkraftwerke erzeugt werden.

Weshalb werden große Stromtrassen von Norden nach Westen und Süden benötigt?

Dies ist für das Gelingen der Energiewende in Deutschland essenziell. Sie dienen dazu, den im windreichen Norden erzeugten Ökostrom zu den großen Verbrauchszentren im Süden und Westen zu transportieren. Der Großteil des Windstroms wird an Land und auf See im Norden produziert, während die energieintensive Industrie (wie in Baden-Württemberg und Bayern) hauptsächlich im Süden angesiedelt ist. Bisher muss Windstrom im Norden häufig abgeregelt (abgeschaltet) werden, wenn das Netz überlastet ist. Die neuen Leitungen wie “Südlink” sollen diesen “grünen Strom” nutzbar machen und verhindern, dass er verschwendet wird. Die neuen Verbindungen nutzen überwiegend die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) als Erdkabel, was eine verlustarme Stromübertragung über große Entfernungen ermöglicht.

Die Stiftung Energie und Klimaschutz hat sich diesem Thema in der 34. Folge ihres Podcasts zur Energiezukunft gewidmet. Im Interview mit Saskia Albrecht, Abteilungsleiterin Projektkommunikation bei TransnetBW, werden die Vor- und Nachteile beider Übertragungstechnologien aus Sicht eines Übertragungsnetzbetreibers diskutiert.

Argumente, die Erdkabel rechtfertigen:

  • Unsichtbarkeit und Flächennutzung: Erdkabel sind nach der Installation nicht mehr sichtbar; die landwirtschaftliche Nutzung oberhalb der Trasse bleibt uneingeschränkt möglich.
  • Akzeptanz in der Bevölkerung: Der gesetzliche Erdkabelvorrang für die großen Gleichstromtrassen wurde 2013/2014 politisch beschlossen, nachdem ursprünglich als Freileitung geplante Vorhaben auf erheblichen Widerstand in der Bevölkerung gestoßen waren. Ziel war es, den Netzausbau überhaupt voranbringen zu können.

Argumente, die gegen Erdkabel sprechen (für Freileitungen):

  • Hohe Investitionskosten: Die anfänglichen Baukosten für Tiefbauarbeiten sind immens. Studien zeigen, dass ein Wechsel zu Freileitungen bei Großprojekten Milliarden an Investitionskosten einsparen könnte.
  • Technische Herausforderungen: Erdkabel können bei Wechselstrom höhere kapazitive Verluste (Blindleistung) erzeugen, was Kompensationsanlagen erfordert.
  • Längere Reparaturdauer: Bei Defekten ist die Lokalisierung und Behebung bei Erdverkabelung aufwendiger und zeitintensiver als bei Freileitungen.

Fazit: Der Erdkabelvorrang bei Südlink ist eine in der Vergangenheit getroffene, akzeptanzgetriebene Entscheidung – das Projekt wird bereits als Erdkabel gebaut. Für schnelle, kostengünstige Realisierungen bleiben Freileitungen jedoch im Vorteil.