
Windkraft
Wie funktioniert das überhaupt?
Lasst uns mal ganz von vorne anfangen und kurz drüber sprechen, was ein „Windrad" eigentlich ist, wie es funktioniert, und warum es wo gebaut wird. Und natürlich die allgegenwärtige Frage: „Und was, wenn kein Wind weht…?!"
Das Prinzip und warum Höhe zählt
Windkraftanlagen wandeln Bewegungsenergie des Windes in elektrischen Strom um:
Der Wind trifft auf aerodynamisch geformte Rotorblätter, die wie Flugzeugtragflächen gewölbt sind. Durch diese Wölbung entsteht ein Unterdruck, der die Blätter in Rotation versetzt. Die Drehbewegung wird über eine Welle in die Gondel übertragen, wo ein Generator die mechanische Energie in Strom umwandelt - ähnlich wie ein Fahrraddynamo.
Die Höhe der Anlage ist der entscheidende Faktor für den Ertrag. Mit zunehmender Höhe steigt die Windgeschwindigkeit erheblich, und damit natürlich auch ihr Ertrag.
Onshore versus Offshore
Onshore-Windkraft bezeichnet Anlagen auf dem Festland, während Offshore-Anlagen im Meer stehen, meist mehrere Kilometer vor der Küste. 29.766 Onshore-Anlagen waren Ende 2024 in Deutschland mit 63.461 MW Gesamt-Leistung installiert (und 1.639 Offshore-Anlagen mit 9.200 MW).
Vor der Küste weht mehr Wind, allerdings sind die Baukosten höher als onshore. Insgesamt bewegen sich die Stromkosten für onshore prodzierten Strom zwischen 4,3-9,2 Cent/kWh, die für offshore produzierten Strom zwischen 5,5-10,3 Cent/kWh. Bei beiden Anlagetypen amortisieren sich die Kosten nach wenigen Monaten, auf jeden Fall deutlich unter einem Jahr (Fraunhofer).
Die Agora-Studie argumentiert jedoch, dass die offshore-Anlagen zwar hohe Erträge haben, jedoch durch ihre starken Schwankungen das Stromnetz massiv belasten. Ein geographisch verteilter Ausbau führt zu einer geographisch verteilten Einspeisung aus Windenergieanlagen und das bedeutet konkret: Verteilte Onshore-Anlagen stabilisieren das Netz und sorgen für eine stabilere Einspeisung. Dadurch müssen weniger teure Back-up Kraftwerke gebaut werden, die Anforderungen an den Stromspeicher sind geringer und es gibt weniger Netzausbaubedarf – ein zentraler Grund für steigende Strompreise. Es ist also keine Lösung den Strom für Deutschland ausschließlich oder zum Großteil an den Küsten zu produzieren und dann aufwändig gen Süden zu leiten. Die Lösung sind viele onshore-Windkraftanlagen (und weitere dezentrale Maßnahmen, z.B. Photvoltaik) die den lokalen Strombedarf lokal decken.
Windkraft und Versorgungssicherheit
Die Frage „Was passiert, wenn kein Wind weht?“ wird durch moderne Speichertechnologien beantwortet. Sie übernehmen mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie speichern überschüssigen Solarstrom mittags für die Nutzung am Abend, stabilisieren das Netz durch Bereitstellung von Regelenergie und glätten Verbrauchsspitzen.
Für längere Zeiträume kommt grüner Wasserstoff ins Spiel. Durch Elektrolyse wird überschüssiger Windstrom genutzt, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten – völlig emissionsfrei. Pionierprojekte wie der Energiepark Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) demonstrieren das Potenzial: Ein 50-MW-Windpark speist eine 30-MW-Elektrolyseanlage, die 4.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr produziert. Eine 25 km lange (ehemalige Gas-) Pipeline transportiert den Wasserstoff zum Chemiepark Leuna, wo er fossile Brennstoffe ersetzt.
Für die sogenannten „Dunkel-Flauten“ (keine Sonne, kein Wind) sind besonders Batteriespeicher wichtig. Sie stabilisieren das Stromsystem im Stunden- oder Tagebereich.
Warum hier?
Ok, dann wenden wir uns jetzt mal unserer Region zu. Haben wir nicht schon total viele Windräder in (Ost-)Thüringen? Warum noch mehr? Warum vor meiner Haustür? Und warum werden so viele Gebiete ausgewiesen, die dann sicherlich alle mit Anlagen „zugepflastert" werden?
Flächenziele und Planung in Ostthüringen
Thüringen will bis 2040 bilanziell 100% des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen decken. Nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) müssen bis 2032 2,2% der Fläche ganz Thüringens für Windenergie ausgewiesen werden. Jede Region in Thüringen trägt dabei unterschiedlich zum Gesamt-Ziel bei - für Ost-Thüringen gilt: Bis 2027 müssen 1,4%, bis 2032 1,7% der Fläche für Windenergie ausgewiesen werden.

Ostthüringen umfasst die Landkreise:
- Saalfeld-Rudolstadt
- Saale-Holzland-Kreis
- Saale-Orla-Kreis
- Altenburger Land
- Greiz
- sowie die Städte Jena und Gera
Warum ist das dringend?
Verfehlt Ostthüringen das Flächenziel bis 31.12.2027, verlieren die bestehenden Vorranggebiete ihre Ausschlusswirkung. Dann könnten Windräder überall im Außenbereich beantragt werden, wo rechtliche Voraussetzungen erfüllt sind - der oft befürchtete „Wildwuchs" tritt dann tatsächlich ein. Die räumliche Steuerung, die gerade Anwohner und Naturschutz gleichermaßen schützt, wäre dahin. Deshalb ist die geordnete Ausweisung von Vorranggebieten im Interesse aller Beteiligten.
Aktueller Stand des Ausbaus in Thüringen
Ende 2024 verfügte Thüringen über 723 Windräder und konnte damit bereits 11% seines Stromverbrauchs decken. Ganz nebenbei wurden dafür auch 2.390 Arbeitsplätze geschaffen. Wichtig hierbei jedoch: 90% der Betreiber sind nicht in Thüringen ansässig und von allen Windrädern im Freistaat sind gerade einmal 0,8% in Bürgerhand (ein einziger Windpark). Die regionale Wertschöpfung bleibt auf der Strecke und Thüringen profitiert von der Windenergie bei weitem nicht so stark wie es möglich wäre.
Aber nicht nur bleibt von den Gewinnen zu wenig in der Region hängen, zusätzlich produziert Thüringen nicht genug Strom um den Eigenbedarf zu decken. Etwa 30-35% müssen aus anderen Bundesländern importiert werden.
Was bedeutet das für Ostthüringen?
In Ostthüringen stehen nur 15 der 723 Thüringer Windräder. Die Regionale Planungsgemeinschaft Ostthüringen plant derzeit 67 Windvorranggebiete:
| Landkreis/Stadt | Neu | Erw. | Gesamt |
|---|---|---|---|
| Saalfeld-Rudolstadt | 12 | 1 | 13 |
| Altenburger Land | 10 | 4 | 14 |
| Landkreis Greiz | 8 | 6 | 14 |
| Saale-Orla-Kreis | 5 | 6 | 11 |
| Saale-Holzland-Kreis | 6 | 4 | 10 |
| Stadt Gera | 3 | 1 | 4 |
| Stadt Jena | 1 | 0 | 1 |
Das Verfahren im Detail
Das Verfahren zur Identifikation der geeigneten Flächen folgt einem mehrstufigen System und unterliegt den regionalen Planungsstellen:
Ausschluss der Tabuzonen: Harte Tabuzonen sind rechtlich ausgeschlossen: Naturschutzgebiete, Nationalparks, Natura 2000-Gebiete, Wasserschutzgebiete Zone I und Siedlungsflächen. Weiche Tabuzonen werden planerisch ausgeschlossen: vorsorgliche Abstände zur Wohnnutzung, Landschaftsschutzgebiete (abwägbar), Mindestabstände zwischen Vorranggebieten. In Ostthüringen kommen 13 Kulturerbestätten hinzu, deren Sichtachsen geschützt werden sollen - von den Dornburger Schlössern über die Leuchtenburg bis Schloss Heidecksburg. Nach Abzug dieser Tabuzonen blieben schon nur noch 7,4% der Fläche Ostthüringens übrig, die überhaupt in den nächsten Schritt der Prüfung gingen.
Auswertung der Positivkriterien: Hierzu zählen: ausreichende Windhöffigkeit, Erschließung und Zuwegung, Netzanschlussmöglichkeiten, Mindestflächengröße. Für jede potenzielle Fläche folgt eine Einzelfallprüfung mit detaillierter regionalplanerischer Bewertung, Strategischer Umweltprüfung, Bewertung von Natur- und Denkmalschutz, und Berücksichtigung der bedrohten Vogelarten.
Danach blieben die aktuell geplanten 67 Vorranggebiete übrig, die 1,6% der Fläche von Ostthüringen entsprechen. Warum 1,6% statt der aktuell geforderten 1,4%? Ganz einfach: um Puffer zu haben für eventuelle Umplanungen innerhalb der öffentlichen Beteiligungsverfahren, siehe nächster Abschnitt.
Die Frist für die öffentliche Beteiligung lief von 14.07.2025 bis einschließlich 15.09.2025. Während der Beteiligungsfrist konnten Bürger, Kommunen, Institutionen und Verbände ihre Bedenken äußern und konkrete Stellungnahmen abgeben. Nach dem Ende der Beteiligungsfrist werden nun alle Stellungnahmen ausgewertet und geprüft. Bei substantiellen Änderungen folgt ein zweites Beteiligungsverfahren. Die Planungsversammlung beschließt dann den finalen Regionalplan und legt ihn dem Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft zur Genehmigung vor.
Das Ziel ist klar: Spätestens bis 31.12.2027 muss der Teilplan in Kraft treten, sonst greifen die negativen Konsequenzen.
Windkraft im Wald - ein Herzensthema im grünen Herz Deutschlands
Bei der Diskussion um Windkraftanlagen im Wald lohnt es sich, genau zu unterscheiden: Nicht jeder Wald ist gleich. Während der Begriff „Wald“ oft romantisch mit unberührter Natur und Artenvielfalt verbunden wird, sind die meisten Waldflächen in Deutschland tatsächlich wirtschaftlich genutzte Forste. Nur etwa ein Prozent der deutschen Wälder gelten als naturbelassen, der Rest ist durch den Menschen geprägt und wird forstwirtschaftlich genutzt. Einen schützenswerten naturbelassenen Wald gibt es bei uns zum Beispiel im Pöllwitzer Wald. Dieses wertvolle Naturschutzgebiet ist nicht für die Windkraft vorgesehen.

Aber in unserer Region gibt es auch viele Fichtenwälder, die als Monokulturen angelegt wurden, um den Bedarf an Holz zu decken. Diese Fichtenforste sind jedoch besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels: Längere Trockenperioden, Stürme und Schädlingsbefall – insbesondere durch den Borkenkäfer – setzen ihnen massiv zu. Experten sind sich einig, dass diese Monokulturen keine Zukunft haben und ein Umbau zu widerstandsfähigen Mischwäldern dringend notwendig ist.

Vor diesem Hintergrund bietet der Ausbau der Windenergie im Forst sowohl Chancen als auch Herausforderungen. Windkraftanlagen dürfen in Deutschland nicht in ökologisch besonders wertvollen, naturnahen Wäldern errichtet werden, sondern nur auf forstwirtschaftlich genutzten Flächen – also dort, wo ohnehin regelmäßig Holz geerntet und der Wald aktiv bewirtschaftet wird. Gerade diese Flächen sind oft durch Monokulturen geprägt und müssen ohnehin umgebaut werden, um den zukünftigen Anforderungen des Klimaschutzes und der Biodiversität gerecht zu werden. Ein solches Gebiet ist zum Beispiel das Windvorranggebiet „W-67 Triebes“. Das Gebiet wird bereits jetzt intensiv forstwirtschaftlich genutzt und enthält viele Fichtenbestände.
Aber was habe ich davon?
Windkraft bietet nicht nur saubere Energie, sondern auch konkrete finanzielle Vorteile für Kommunen. Seit Juli 2024 garantiert das Thüringer Windbeteiligungsgesetz Gemeinden 0,2 Cent pro erzeugte Kilowattstunde. Für ein großes Windrad mit einer Leistung von 7 MW kann die beteiligte Gemeinde damit jährliche Einnahmen von über 30.000 Euro erwirtschaften - und noch ein Vielfaches mehr wenn sie selbst Betreiber würde.
Warum tut das dann nicht jede Gemeinde? Da kann es viele Gründe geben, von mangelndem Wissen, über fehlendes Engagement, bis hin zur wahrscheinlich größten Herausforderung: viele Befürchtungen über Gesundheitsrisiken, Naturschäden und Lärm basieren auf Fehlinformationen, die wissenschaftlich längst widerlegt sind.
Regionale Wertschöpfung
Darauf kommt es an wenn wir davon sprechen lokal von Winkraft zu profitieren. Aber was genau bedeutet „regionale Wertschöpfung"? Und über welche Wege könnten die Kommunen mit Windkraftanlagen Geld verdienen?
Natürlich kommt es grundsätzlich auf die Größe und Leistung der Anlagen an - größere und viele Anlagen erwirtschaften mehr Ertrag.
Die unterste Stufe der Wertschöpfung sind Produktion, Planung und Installation. Leider ist das für Thüringen weniger relevant, da es keine lokalen Windkraftanlagenhersteller gibt.
Beim Betrieb der Anlagen entstehen für die Gemeinde und die Betreibergesellschaften Gewinne und Steuern. Für eine 2 MW-Anlage kämen hier knapp 60.000 Euro jährlich zusammen, die in die Gemeindekasse fließen.
Landwirte können ihr Land äußerst lukrativ an Betreibergesellschaften (oder Gemeinden) verpachten und sich damit ein zweites Standbein aufbauen
Windkraftanlagen müssen regelmäßig geprüft und gewartet werden. Diese Aufträge können (und sollten) an lokale Unternehmen vergeben werden.
Durch die Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften können Privatpersonen direkt von den Gewinnen des Windparks profitieren.
Ein konkretes Beispiel: Büttstedt
Alles sehr theoretisch – funktioniert das wirklich? Ja! Schauen wir nach Büttstedt in Thüringen.
Dort gibt es einen Windpark mit insgesamt 35 Windrädern, davon 22 in der Gemarkung Büttstedt. 17 sind alt und haben eine Leistung von 1,6 MW. 5 sind neuer und haben eine Leistung von 2,3 MW. Die alten Anlagen sind weitgehend abgeschrieben und seitdem sprudeln Gewerbesteuern in die kommunalen Kassen. Insgesamt nimmt Büttstedt jedes Jahr ein:
- 140.000 - 185.000 Euro Umsatzbeteiligung an den alten Windrädern
- 45.000 - 60.000 Euro Umsatzbeteiligung an den neuen Windrädern
- 250.000 - 300.000 Euro Gewerbesteuern
Das führt zu jährlichen Gesamteinkommen von 435.000 - 545.000 Euro. Nicht allzu schlecht, oder?
Und da haben wir noch nicht einmal darüber gesprochen, dass die Gemeinde selbst Betreiber sein könnte, um nicht nur eine kleine Beteiligung an den Gewinnen zu erhalten. Weitere Modelle sind Strombonus und Bürgerenergiegenossenschaften.
Wissenschaft trifft Fehlinformationen
Aber der Rotmilan! Und der Infraschall! Über Windkraft kursieren viele wilde Theorien und auch einige seriöse Bedenken. Wir schauen uns ein paar der häufigsten an und wollen untersuchen was wirklich dran ist.
Infraschall ist ungefährlich
Die häufigste Sorge betrifft Infraschall - tieffrequente Schallwellen unter 20 Hertz. Das Umweltbundesamt stellte 2021 unmissverständlich klar: Infraschallpegel von Windenergieanlagen liegen deutlich unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle. In 650-700 Meter Entfernung sind die Signale messtechnisch kaum noch vom Hintergrundgeräusch zu unterscheiden. Messungen der LUBW Baden-Württemberg zeigen: Der Infraschall liegt 70 Dezibel unter der Hörschwelle. Normale Umgebungsgeräusche wie Straßenverkehr oder Waschmaschinen erzeugen höheren Infraschall als Windräder.
Die Bundesanstalt für Geowissenschaften gab 2021 einen Rechenfehler zu, der Infraschall um Faktor 4.000 überschätzt hatte - Wirtschaftsminister Altmaier entschuldigte sich öffentlich. Laborstudien mit 44 Probanden zeigten keine statistisch signifikanten körperlichen Veränderungen durch Infraschall-Exposition.
Kurz gesagt: Hast du Angst vor Infraschall vom Windrad, dann darfst du auch nicht mehr Auto fahren oder Wäsche waschen.
PFAS: Minimaler Beitrag
PFAS werden in der Beschichtung der Rotorblätter verwendet um sie haltbarer zu machen. Laut dem Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages trägt die Windkraft jedoch nur etwa 1,7% zur gesamten PFAS-Belastung in Deutschland bei.
Zum Vergleich:
- Verkehr: 52,6%
- Hausbrand (Löschmittel): 20,8%
- Industrieanlagen: 10,7%
Das Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium weisen darauf hin, dass PFAS hauptsächlich in beschichteten Alltagsgegenständen vorkommen. Während über ein generelles PFAS-Verbot in der EU diskutiert wird, benutzen Millionen Menschen täglich ohne jede Kritik Teflonpfannen, Outdoor-Jacken, Kosmetika und essen aus beschichteten Pizzakartons - alles Produkte, die deutlich mehr PFAS enthalten als Windkraftanlagen und noch dazu direkten Kontakt mit Menschen haben. Die Fokussierung auf Windkraftanlagen als Hauptproblem erscheint daher wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.
Kurz gesagt: Bist du gegen Windräder aufgrund der PFAS-Belastung, dann darfst du auch keine Teflonpfanne mehr benutzen und keine Outdoor-Jacke mehr tragen.
Wald: Nur 0,01% der Fläche betroffen
Die Behauptung, pro Windrad würden 2-3 Fußballfelder Wald dauerhaft zerstört, ist falsch. Die Fachagentur Wind beziffert den dauerhaften Flächenverbrauch auf 0,51 Hektar pro Anlage - weniger als ein Fußballfeld. Temporär werden während des Baus weitere 0,57 Hektar benötigt, die anschließend wieder aufgeforstet werden.
Ende 2024 standen 2.553 Windkraftanlagen im Wald - das entspricht 0,01% der deutschen Waldfläche von 11,5 Millionen Hektar. Die CO2-Bilanz ist eindeutig positiv: Eine Windkraftanlage spart deutlich mehr CO2 ein, als der gerodete Wald aufgenommen hätte. Die energetische Amortisation erfolgt nach ca. 2-8 Monaten.
Als Perspektive: Laut dem Waldzustandsbericht 2023 konnten damals nur noch 18% der Bäume in Thüringen als „gesund" bezeichnet werden. Als Hauptursache wird Trockenstress durch die Klimakrise genann. Irgendwie ironisch, oder?
Kurz gesagt: Mit 0,01% der (ungesunden) Waldfläche in Deutschland können wir die Klimakrise, die den heimischen Wald bedroht, verlangsamen - klingt nach einem guten Deal.
Schlagschatten ist begrenzt und kontrolliert
In Deutschland gibt es verbindliche Grenzwerte für den Schattenwurf von Windkraftanlagen. Die Länderarbeitsgemeinschaft Immissionsschutz (LAI) hat in ihren Hinweisen Richtwerte festgelegt: Maximal 30 Stunden astronomisch möglicher Schattenwurf pro Jahr und maximal 30 Minuten tatsächlicher Schattenwurf pro Tag. Moderne Windenergieanlagen sind mit Abschaltautomatiken ausgestattet, die die Anlage bei Überschreitung der Grenzwerte automatisch stoppen.
Studien kamen zu dem Ergebnis, dass bei Einhaltung der geltenden Richtwerte keine Gesundheitsgefahren zu erwarten sind. Anfängliche Befürchtungen, der periodische Schattenwurf könnte epileptische Anfälle auslösen, wurden wissenschaftlich entkräftet. Die Frequenz des Schattenwurfs liegt typischerweise bei etwa 1 Hz, während epileptische Reaktionen in der Regel erst bei Frequenzen zwischen 15 und 25 Hz auftreten können.
Kurz gesagt: Ja, Schlagschatten kann belastend sein. Aber die gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte sind extrem vorsichtig angesetzt.
Windräder beeinflussen weder Wolken noch Wetter
Die Behauptung, Windräder würden Wolken vertreiben und Dürren verursachen, ist wissenschaftlich unhaltbar. Niederschlagsbildende Prozesse laufen in 6 km Höhe ab, Windräder sind maximal 250 m hoch. Tiefdruckgebiete haben Durchmesser bis 2.000 Kilometer und leben bis zu einer Woche - ein Windpark von wenigen Quadratkilometern kann sie nicht beeinflussen
Dürreproblematik in Deutschland wird eindeutig mit der Klimakrise in Verbindung gebracht, nicht mit Windkraftanlagen - auch wenn lokale Einflüsse auf das Mikroklima durchaus möglich, jedoch i.d.R. vernachlässigbar sind
Kurz gesagt: Wenn es dir zu trocken ist, dann setz dich für konsequenten Klimaschutz ein - nicht für das Gegenteil.
Lärm liegt unter Alltagsgeräuschen
Der Schallschutz bei Windkraftanlagen ist bundesweit klar geregelt. Für Wohngebiete gelten Grenzwerte zwischen 35 dB und 55 dB (je nach Bebauung und Uhrzeit); 35 dB entspricht etwa der Lautstärke von Flüstern, 40 dB einem leisen Gespräch.
Seit August 2022 regelt die Thüringer Bauordnung (ThürBO) einen gesetzlichen Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen Windkraftanlagen und Wohngebäuden.
Es gibt bislang keine Hinweise aus wissenschaftlichen Studien, dass die Immissionsschallpegel in der Umgebung von Windenergieanlagen negative Wirkungen auf das Gehör haben .
Kurz gesagt: Jeder Teenager mit seiner Sime ist akustisch belastender als ein Windrad.
Insekten: Bedrohung an allen Fronten
Eine Modellrechnung des DLR-Instituts für Technische Thermodynamik ermittelte, dass durchschnittlich etwas 1.200 Tonnen Insektenbiomasse jährlich an den Rotorblättern von Windkraftanlagen sterben - dies entspricht etwa 5% der Insekten, die durch die Rotoren fliegen (95% überleben die Passage).
Ja das klingt schlimm. Aber: Vögel fressen geschätzt ca. 450.000 Tonnen Insekten pro Jahr, 40% aller Insekten weltweit sind bedroht durch intensive Landwirtschaft, Umweltverschmutzung, invasive Spezies und - wer hätte es gedacht - Klimakrise und nicht zuletzt sterben min. genauso viele Insekten auf deutschen Windschutzscheiben wie an deutschen Rotorblättern.
Kurz gesagt: Wenn du Windkraftanlagen wegen Insektensterben ablehnst, dann darfst du auch keine Produkte aus konventioneller Landwirtschaft konsumieren und kein Auto mehr fahren.
Wildvögel: Glasscheiben und Katzen sind tödlicher
Der NABU schätzt, dass jährlich bis zu 100.000 Wildvögel durch Windkraftanlagen zu Tode kommen. Doch Vögel leben in Deutschland insgesamt gefährlich: Jährlich sterben ca. 100-115 Millionen durch Glasscheiben, bis zu 200 Millionen fallen jährlich Katzen zum Opfer, 1,5-2,8 Millionen sterben an Stromleitungen, und dann gibt es ja auch noch den Straßen- und Schienenverkehr, wo Schätzungen sehr schwierig sind. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass wir in Deutschland ein Problem mit Vogelschutz haben - doch Windräder sind in dieser Problematik nur ein sehr kleiner Mosaik-Stein.
Kurz gesagt: Wenn du Vögel schützen möchtest, dann kauf dir keine Katze und verzichte auf eine Fensterfront - das Windrad ist nicht das Problem.
Unser Fazit und unser Anliegen - Wir für uns vor Ort
Die Fakten sind eindeutig. Moderne Windkraftanlagen sind leistungsstark, wirtschaftlich, umweltfreundlich und sicher. Die meisten Befürchtungen - Infraschall, Lärm, Gifte, oder Vogelsterben - sind wissenschaftlich widerlegt oder stark übertrieben. Die Technologie für Versorgungssicherheit durch Batteriespeicher und grünen Wasserstoff ist marktreif. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen garantieren Kommunen und Bürgern faire Beteiligung.
Wir von der Bürgerinitiative „Ostthüringen ERNEUERBAR" wollen zeigen: Windkraft ist machbar, sinnvoll und fair gestaltbar. Sie ist kein notwendiges Übel, sondern eine Chance für ländliche Räume, die unter Strukturwandel und Abwanderung leiden. Lasst uns die Energiewende gemeinsam gestalten, damit wir regionale Schönheit bewahren und unsere Energie unabhängig und grün produzieren. Wir für uns vor Ort!










